„Cannabis“ bezeichnet eine große Pflanzengattung, die bereits im 18. Jahrhundert entdeckt und beschrieben wurde. Als die 2 Hauptarten gelten Sativa und Indica. Durch Züchtung und Kreuzung entstanden über die Jahrhunderte unzählige neue Sorten und Hybride. Doch ist zur Beurteilung der Wirkung von medizinischem Cannabis die strikte Einteilung in Sativa und Indica noch sinnvoll? Wir haben traditionelles und neues Wissen zu Sativa zusammengetragen.
Cannabis bezeichnet eine Pflanzengattung, die zur Familie der Hanfgewächse zählt. Man unterscheidet in der Regel zwischen 2 Arten: Sativa und Indica. Manche betrachten auch die Sorte Cannabis Ruderalis als eine eigene Art. Meist jedoch wird Ruderalis den Sativa-Sorten zugeordnet. Durch Züchtungen und Kreuzungen der beiden Grundarten gibt es inzwischen unzählige verschiedene Cannabis-Sorten, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften besitzen und auf bestimmte Anbaubedingungen optimiert sind.
Die zwei Hauptarten Sativa und Indica unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Aussehen, Ursprungsgebiet und Wachstum. Ihre Namen erhielten sie schon vor Jahrhunderten.
In der Diskussion um Cannabis ist eine weitere Unterscheidung wichtig: der Anwendungsbereich. Hier wird unterschieden zwischen medizinischem Wirkstoff und Freizeitdroge.
Zu den medizinischen Wirkstoffen gehören THC (Tetrahydrocannabinol, auch Dronabinol genannt) und CBD (Cannabidiol).
Als Rauschmittel und Freizeitdroge klassifiziert sind Marihuana (getrocknete Blüten der weiblichen Pflanzen) und Haschisch (gepresstes Harz der Pflanze).
Medizinisches Cannabis wird zudem unter streng kontrollierten Bedingungen hergestellt. Du erhältst ein geprüftes, qualitativ hochwertiges Arzneimittel. Ein Merkmal, welches frei verfügbaren oder selbst angepflanzten Freizeitdrogen fehlt.
Äußerlich lässt sich Cannabis Sativa an ihren schlanken, hochgewachsenen Pflanzen erkennen (Indica sind eher buschig und kompakt). In der richtigen Umgebung können die Pflanzen bis zu 5 Meter und höher wachsen. Ursprünglich wurde Cannabis Sativa in heißen, trockenen Klimazonen wie Afrika, Mittelamerika und Südostasien gefunden, heute ist sie praktisch weltweit zu finden.
Sativa ist eine der am häufigsten in der Medizin verwendeten Sorten. In der Regel werden für die Herstellung von Sativa-basierten medizinischen Cannabis-Produkten nur weibliche Pflanzen verwendet.
Verarbeitet werden die Pflanzen zu Extrakten, Ölen, Tees, Cremes oder Salben, d.h., Patientinnen und Patienten können die Stoffe je nach Produkt
Die Wirkung von Sativa wird meist als anregend bis euphorisierend beschrieben, weshalb sie häufiger tagsüber verwendet werden, um die Energie zu steigern oder die Stimmung zu heben. Als Grund für die anregende Wirkung wird angeführt, dass Sativa-Sorten mehr THC (Tetrahydrocannabinol) und weniger CBD (Cannabidiol) enthalten. Nach neuesten Erkenntnissen kann man diese Aussage jedoch nicht so grundsätzlich treffen. (Mehr dazu im nächsten Abschnitt)
Typischerweise werden Sativa-Sorten eingesetzt zur
Damit eignen sie sich potenziell zur Behandlung von
Es hält sich in vielen Artikeln und Online-Informationen die Aussage, dass Sativa typischerweise mehr THC enthält und deshalb anregend wirkt. Wissenschaftliche Untersuchungen1, 2, 3 konnten aber zeigen, dass es auf der chemischen Ebene und in Bezug auf die medizinische Wirkung nicht möglich ist, Sativa und Indica immer zuverlässig voneinander zu trennen. Anders gesagt, verschiedene Sativa-Sorten haben einen unterschiedlichen Gehalt an THC, der manchmal durchaus niedriger sein kann, als z. B. bei Indica-Sorten – und umgekehrt.
Häufig basiert die Beurteilung der Wirkung auf Erfahrungsberichten von Nutzer:innen. Aber hier kann der sogenannte Erwartungseffekt Ergebnisse verfälschen, denn Menschen sind auf vielfältige Weise unbewusst beeinflussbar. Zum Beispiel von dem, was sie bereits wissen (oder glauben zu wissen).
In einem kontrollierten Umfeld befragten Forscher:innen 101 regelmäßige Cannabis-Anwender:innen über einen Zeitraum von 2 Wochen4 nach ihren Erfahrungen. Das Ergebnis: Die Teilnehmer:innen, die glaubten, Sativa sei anregend und Indica entspannend, beobachteten genau diese Wirkung bei sich. Das Problem: Die tatsächliche chemische Zusammensetzung der konsumierten Pflanzen war immer unterschiedlich, sodass die Teilnehmenden eigentlich unterschiedliche Wirkungen hätten spüren müssen.
Der wahrgenommene Effekt einer Sorte wird nicht allein durch den THC- oder CBD-Gehalt hervorgerufen, sondern entsteht auch durch das Zusammenspiel der Cannabinoide mit anderen Pflanzenbestandteilen. Medizinisch spricht man auch von einem „Entourage-Effekt“. Dies soll heißen, dass ganz nach dem Motto „das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, jede einzelne in der Pflanze enthaltene Substanz Wechselwirkungen oder Verstärkungen auslösen und damit die Grundwirkung verändern kann.
Eine entscheidende Rolle spielen dabei die sogenannten Terpene. Terpene sind vereinfacht gesagt Kohlenwasserstoffe (organische Verbindungen), die sich fast überall finden. Sie kommen in sekundären Pflanzenstoffen (Stoffe, die Schutz- und Abwehrfunktionen übernehmen), Vitaminen, Pheromonen (menschliche Duftstoffe) oder als Duftstoffe in Kosmetika vor – und eben auch in der Cannabis-Pflanze.
Die enthaltenen Terpene können sich von Pflanze zu Pflanze – auch innerhalb der Arten (Sativa oder Indica) – stark unterscheiden. Dafür verantwortlich sind Faktoren wie Genetik und Anbaubedingungen. Dasselbe gilt für die enthaltenen Cannaboide THC und CBD.
Bisher konnte man keine eindeutigen Terpen-Profile finden, die eine klare Unterscheidung zwischen Sativa- und Indica-Sorten erlauben. Verschiedene Studien untersuchten die Terpen-Profile von Sativa-Sorten. Dabei fanden die Forscher:innen 5 Terpene besonders häufig in Sativa-Sorten:
ABER: Auch wenn ein bestimmtes Terpen in einigen Sativa-Sorten häufiger vorkommt, bedeutet das nicht, dass es in allen Sativa-Sorten dominiert.
Kurz gesagt: Ob medizinisches Cannabis anregend oder entspannend wirkt, hängt nicht allein von der verwendeten Cannabis-Art ab, sondern von einem komplexen Zusammenspiel aus chemischen Substanzen in der Pflanze. Oder anders gesagt: Eine bestimmte Indica-Sorte kann anregender wirken als eine bestimmte Sativa-Sorte und umgekehrt.
Die Fachwelt debattiert daher, ob die Unterscheidung in Indica und Sativa noch sinnvoll ist, da sie auf botanischen und kulturellen Faktoren begründet ist. Für die Beurteilung der Wirkung auf den menschlichen Organismus könnte diese Unterscheidung Nutzer:innen jedoch in die Irre führen. Vielmehr plädieren einige Experten und Expertinnen dafür, die Pflanzen nach ihren chemischen Profilen zu klassifizieren, um eine klare Aussage treffen zu können, welche Wirkung eine bestimmte Sorte entfalten kann.
Cannabis Sativa ist eine der zwei Hauptarten von Cannabis-Pflanzen und ihre Sorten werden am häufigsten zur Herstellung von medizinischem Cannabis verwendet. Traditionell wird Cannabis Sativa eine anregende Wirkung zugeschrieben, wodurch Produkte auf Basis von Cannabis Sativa häufig zur potenziellen Schmerzlinderung, Appetitanregung, Reduzierung von Übelkeit sowie bei neurologischen und psychischen Erkrankungen eingesetzt werden. Neuere Forschung1,2,3 zeigt jedoch, dass die Pflanzenart allein keine zuverlässigen Aussagen über die Wirkung ermöglicht. Vielmehr ist das chemische Profil (Terpene, Cannabinoide) ausschlaggebend, welches von Sorte zu Sorte auch innerhalb einer Art stark variieren kann.
Cannabis Sativa unterscheidet sich im Aussehen, Wachstumsbedingungen und Ursprungsgebiet. Die Unterscheidung ist eher botanischer und kultureller Natur. Wie neuere Forschung zeigt, lässt sich aus der Pflanzenart nicht zuverlässig die Wirkung ableiten. Auch wenn häufig beschrieben wird, dass Sativa anregend und Indica entspannend wirkt, trifft dies nicht immer zu. Die Wirkung einer Pflanze hängt mehr von ihrem chemischen Profil ab als von der Pflanzenart.
In Cannabis Sativa wurden mehr als 100 Cannabinoide identifiziert. Die wichtigsten und am besten erforschten sind THC und CBD.
Cannabis Sativa kann zu verschiedenen Darreichungsformen verarbeitet werden. Die Arzneimittel können als Dampf (Inhalation), oral (Öle, Extrakte, Zubereitungen) oder äußerlich (topische Anwendung von Cremes / Salben) angewendet werden.
Dies ist abhängig vom Mittel und der Darreichungsform. In der Regel stellt sich eine Wirkung bei Inhalation schneller ein (teilweise bereits nach wenigen Sekunden bis Minuten) als bei oraler Einnahme (meist nach 30-120 Minuten). Für die Wirkdauer gilt Ähnliches. Meist geht die Wirkung nach Inhalation schneller zurück (nach ca. 3-4 Stunden), während die Wirkung bei oraler Einnahme in der Regel etwas länger anhält (ca. 4-8 Stunden)
Für die Behandlung mit medizinischem Cannabis ist das individuelle Wirkprofil entscheidend, nicht die Cannabis-Art. Je nach individuellen Bedürfnissen und Vorlieben, Therapieziel und körperlichen Voraussetzungen ist es wichtig, die richtige Zusammensetzung von Cannabinoiden und anderen Stoffen (z. B. Terpene) zu ermitteln. Du solltest die Auswahl Deiner Cannabis-Arzneimittel daher immer gemeinsam mit Deiner Ärztin / Deinem Arzt treffen.
Beachte dazu immer die Packungsbeilage. Um die Qualität und Wirksamkeit nicht zu beeinträchtigen, gilt für die meisten Arzneimittel, dass sie bei Raumtemperatur bis 25 Grad, trocken, lichtgeschützt und luftdicht in der Originalverpackung aufbewahrt werden.